Klein aber oho. Die Karriere von Doppel-Weltmeister Wolfgang Kindl gleicht einer Hochschaubahn der Gefühle. In Innsbruck-Igls bescherte der ehrgeizige Tiroler den heimischen Sportfans eine Sternstunde. Sein bislang größter Karriereerfolg ist insbesondere Balsam für die Seele des oftmals Belächelten.

Für einen Rodler ist der Tiroler Wolfgang Kindl mit nur 1,66 Metern Körpergröße wahrhaft kein Riese. Von Anfang an wurden die Ambitionen des 28-wm_3_kindl (c) örvJährigen, in der Weltspitze mitmischen zu wollen, daher nicht sonderlich ernstgenommen. Zu wichtig sei der Start im hochkomplexen Rodelsport, ergo würden alle Bestrebungen Kindls aufgrund einer zu geringen Hebelwirkung für die Katz sein. „Das harte Training und die langen Durststrecken wurden nun aber endlich belohnt“, meint der Tiroler, der mit zwei Goldmedaillen bei der Heim-Weltmeisterschaft Ende Jänner in Innsbruck-Igls die österreichische Sporthistorie um ein glänzendes Kapital ergänzte. Sowohl im Sprintbewerb, der jüngsten Rodel-Disziplin, als auch über die olympische Distanz fuhr Kindl zu weltmeisterlichen Ehren. Die Kritiker von einst dürfte der Tiroler, der bei einem Tag der offenen Tür am Igler Eiskanal seine Begeisterung für den Rodelsport entdeckte, damit endgültig zum Verstummen gebracht haben.

Procks Nachfolger
„Hätte mir jemand im Vorfeld der Heim-WM gesagt, dass ich hier zweimal Gold hole, hätte ich ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt“, kann Kindl seinen größten Karriereerfolg auch einige Wochen danach noch nicht ganz realisieren. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass er nicht nur im Sprintbewerb, wo der Startvorgang nur mehr eine untergeordnete Bedeutung einnimmt, nicht zu schlagen war, sondern auch im klassischen Einzel: „Der Sieg über die olympische Distanz war sicherlich die Krönung.“ Kindl steht dank seines Triumphzuges in Innsbruck nun in der Tradition des legendären Markus Prock, der mittlerweile die Position des ÖRV-Sportdirektors bekleidet. Prock war 1996 im deutschen Altenberg der letzte Österreicher, dem es gelang, WM-Gold im Herren-Einsitzer zu gewinnen.

Coolness und Feingefühl
Bereits in den vergangenen beiden Saisonen zeichnete sich der Aufstieg Wolfgang Kindls in die Rodel-Oberliga ab. WM-Bronze 2015 und 2016 ließen auf eine goldene Zukunft hoffen. In der aktuellen Saison ließ der Großmeister bereits bei der Europameisterschaft in Königsee (GER) mit Silber in der Teamstaffel und Bronze im Einsitzer aufhorchen. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte das Erfolgsspektrum des Tirolers nun mit dem Doppel-wm4_kindl (c) örv_eslageWeltmeistertitel vor heimischen Publikum auf der Bahn, die ihm einst den Einstieg in den Rodelsport ermöglichte. Kaum einer bringt ein dermaßen stark ausgeprägtes rodlerisches Feingefühl mit wie Wolfgang Kindl, seinen Leistungszenit sieht er deshalb noch nicht erreicht. Ein nicht unwichtiges Ereignis steht im Februar 2018 im fernen Südkorea auf dem Plan. Bei seiner dritten Olympia-Teilnahme will der 28-Jährige endlich auch im Zeichen der fünf Ringe Edelmetall gewinnen.

Road to Pyeongchang
Um sich diesen Traum zu verwirklichen, will Kindl im kommenden Sommer noch härter trainieren, als er dies ohnehin schon macht. Kaum vorstellbar, wie das zielstrebige Kraftpaket sein Trainingspensum nochmals in die Höhe schrauben möchte. Einstweilen tüftelt man im Lager des ÖRV auf dem Materialsektor am perfekten Schlitten. Federführend ist der ehemalige Doppelsitzer-Rodler Tobias Schiegl, ohne dessen Entwicklungsarbeit großartige Erfolge wie jene von Wolfgang Kindl wohl nicht möglich wären. Im Kampf um Tausendstelsekunden wird mittlerweile nichts mehr dem Zufall überlassen: Auch die Wissenschaft wird in Form einer Kooperation mit der Uni Leoben in die Entwicklungsprozesse miteinbezogen. Bleibt zu hoffen, dass all diese Bemühungen auch in einem Jahr Früchte tragen werden und Kindl seine Kritiker ein weiteres Mal verstummen lässt.

Fotos: ÖRV/Eslage

One Comment

  1. Tolle Leistung von Wolfgang! Hoffe, dass es bei Olympia auch so gut läuft!

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