Einen Tag vor Beginn der Faustball Weltmeisterschaft der Frauen in Curitiba (BRA) gibt Trainer Wolfgang Ritschel-Roschitz Einblicke in die Teamvorbereitung und spricht über die Ziele der österreichischen Nationalmannschaft.

ÖFBB: Im Vorfeld der WM hat es aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation im Gastgeberland ja einige Schwierigkeiten gegeben, der Austragungsort musste von Pomerode nach Curitiba verlegt werden. Welche Bedingungen erwarten euch vor Ort?

Ritschel-Roschitz: Wir kennen den Club der Austragung, dort wird alles passen und damit ist der wichtigste Teil, der sportliche Rahmen der WM, gesichert. Das Wetter kann um diese Zeit Extreme bieten, aber das hätte auch für Pomerode gegolten. Ich bin davon überzeugt, dass alle Beteiligten ihr Bestes geben und für eine tolle WM sorgen werden. Wir konnten in Curitiba auch schon einige Sätze am WM-Court spielen. Das ist sehr positiv verlaufen.

ÖFBB: Das Team hat sich intensiv auf die WM vorbereitet. Wo lagen die Schwerpunkte?

Ritschel-Roschitz: Die Schwerpunkte lagen bei der Abstimmung und einem gemeinsamen taktischen Modell. Es ist dies ein neuformiertes Team und es galt auch Positionen zu finden und in diesen Erfahrungen zu sammeln.

ÖFBB: Das Team ist bereits zehn Tage vor WM-Beginn nach Brasilien gereist. Was stand in der Akklimatisierungswoche auf dem Programm?

Ritschel-Roschitz: Von Dienstag bis Samstag stand ein Trainingslager auf der Insel „Ilha do Mel“ auf dem Programm. Es ging dabei vor allem darum, Abstimmungen verfeinern und konditionelle zu Reize setzen.

ÖFBB: Nach der Kadernominierung hast Du davon gesprochen, dass Österreich zu den vier bis fünf Nationen gehört, die um Medaillen mitspielen. Gibt es da neben den üblichen Favoriten Deutschland, Schweiz, Brasilien und Österreich noch andere Teams, die überraschen können?

Ritschel-Roschitz: Nein, von den sieben Teilnehmern erwarte ich die genannten Nationen im Halbfinale, und ab da ist allen vieren alles zuzutrauen.

ÖFBB: Mit Ines Mayer hat sich während der Akklimatisierungswoche die erfahrenste Angreiferin im Kader verletzt und steht bei der WM nicht zur Verfügung. Was bedeutet das für das Team?

Ritschel-Roschitz: Abgesehen von der persönlichen Enttäuschung für Ines und das gesamte Team bedeutet es, dass wir Kombinationsmöglichkeiten in der Aufstellung verloren haben und damit weniger flexibel sind. Wir müssen unser taktisches Konzept dementsprechend adaptieren.

ÖFBB: Steigt damit der Druck auf die verbliebenen neun Spielerinnen?

Ritschel-Roschitz: Natürlich erhöht sich in einer solchen Situation der Druck auf die Mannschaft, auch intern. Die Spielerinnen wollen unbedingt eine gute Leistung abliefern. Die Aufgaben sind natürlich für jede einzelne mehr geworden, aber ich bin davon überzeugt, dass sie mit der Situation gut zurechtkommen werden.

ÖFBB: Vor allem im Angriff gab es ja im Vorfeld schon einige Umstellungen, einige Spielerinnen sind ganz neu im Kader. Wie schätzt Du die Stärke des österreichischen Teams im Vergleich zu den übrigen Favoriten ein?

Ritschel-Roschitz: Gerade im Angriff waren Carina (Steindl) und Teresa (Spadinger) schon vor einem Jahr ein Thema, auch ohne die verletzungsbedingten Ausfälle. Sie passen perfekt in das Profil, welches wir für den Angriff im Vorfeld definiert haben. Ich sehe unsere Stärke vor allem im Kollektiv, wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Die Form vor Ort wird eine wichtige Rolle spielen, aber ich bin davon überzeugt, dass wir mit jeder der anderen sechs Nationen auf Augenhöhe spielen können. Das Potential ist auf jeden Fall da, nun müssen wir die Leistung auf den Punkt bringen.

ÖFBB: Welche Ziele hat das Frauen-Nationalteam bei der WM?

Ritschel-Roschitz: Ich bin froh, dass der Modus dahingehend geändert wurde, dass man in der Vorrunde gegen alle Teams spielt. Bei drei Spielen am Tag gilt es aber trotzdem, so schnell wie möglich eine gute Dynamik zu entwickeln. Gelingt dies, ist eine Topplatzierung das Ziel.

ÖFBB: Kann Österreich um den Titel mitspielen?

Ritschel-Roschitz: Ich gehe davon aus, dass wir ins Halbfinale kommen, und ab da ist alles möglich. Gelingen uns zwei perfekte Spiele, werden wir das.

 

 

Die Frauen-Weltmeisterschaft wird morgen mit dem Südamerika-Derby zwischen Brasilien und Argentinien eröffnet. Insgesamt sind sieben Nationen am Start. Die österreichische Nationalmannschaft startet am 26. Oktober gegen WM-Neuling Australien (14 Uhr MESZ) ins Turnier. Die Spiele gegen Gastgeber Brasilien (17.20 Uhr) und die Schweiz (21.00 Uhr) könnten schon am ersten Tag eine Vorentscheidung über die Vorrundenplatzierung bringen.

Tag zwei der Vorrunde beginnt für das Faustball Team Austria mit dem Spiel gegen Argentinien (16:30 Uhr), es folgt die Begegnung mit Chile (18.30 Uhr). Höhepunkt der Vorrunde aus österreichischer Sicht wird das Spiel gegen Titelverteidiger Deutschland, dem man sich bei der WM 2014 und der EM 2015 jeweils im Finale geschlagen geben musste.

Die vier besten Teams der Vorrunde treffen am 28. Oktober im Semifinale aufeinander, die verbliebenen drei Teams spielen sich in einer Minirunde die Plätze fünf bis sieben aus. Die Finalspiele werden am darauffolgenden Tag ausgetragen.

Foto: ÖFBB

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *