„Susi“ Liu Jia bestreitet in Rio de Janeiro die fünften Olympischen Spiele! Es sind außerdem ganz besondere, denn sie wird die Österreichische Fahne beim Einmarsch ins Stadion tragen. Eine Ehre, bei der sie nach wie vor Gänsehaut bekommt, wenn sie daran denkt. 

Bist du schon nervös?
Ja schon! Eigentlich mehr als je zuvor! Es könnte ja das letzte Mal sein- und man hat ja noch das eine große Ziel nicht erreicht. Ausserdem reist man mit einer anderen Reife nach Rio und glaubt, dass man es wirklich schaffen kann.

Also machst du dir diesmal einen größeren Druck als früher, eine Medaille zu holen?
Ich wollte eigentlich nie darüber reden, was genau mein Ziel ist, aber die Medaille ist es jedenfalls nicht explizit. Ich hab mein persönliches Ziel, bei dem es vor allem um die Zufriedenheit mit meiner Leistung geht. Ich muss nicht sagen, dass ich die Medaille haben will. Das will doch jeder! (Lacht)

Hast du damit gerechnet, dass du Fahnenträgerin für Österreich werden kannst?
Niemals! Gar nicht! Ich war so überrascht und überwältigt von dieser Nachricht, ich habe am ganzen Körper gezittert. Das ist auch eine unglaublich große Verantwortung. Wenn man sich das ein bisschen durch den Kopf gehen lässt, wird einem erst klar, welche Bedeutung das hat.

Glaubst du wird die Erfahrung, die du von vergangenen Spielen hast, helfen?
Sicher sogar! Das ist mein größter Vorteil gegenüber der Konkurrenz!

Wo siehst du die größte Challenge für dich im Tischtennis und worin hast du dich in den letzten Jahren verbessert? Auf gut Deutsch: was sind deine Waffen?
Das Schwierigste für mich ist, dass ich nicht die Favoritin bin! Ich würde diese Rolle sehr gerne einnehmen, weil da der Druck besonders groß ist! Wenn der Druck da ist und ich weiß, dass ich gewinnen kann, dann gewinne ich auch! Dass ich das nicht bin und von aussen natürlich trotzdem ein großer Druck auf uns lastet, macht es mental sehr schwer.

Das ist spannend, weil die meisten sagen würden, dass sie lieber die Rolle des Underdogs einnehmen würden.
Ich habe in meinem Leben immer das geschafft, was ich mir ganz fest vorgenommen habe und wo ich gewusst habe, dass ich es schaffe. Bei Olympia ist da auch noch dieser große Respekt vor China, weil die natürlich unglaublich stark sind. Die wissen, dass sie gewinnen müssen! Die haben eigentlich gar keine andere Wahl. Diesen Druck wünsche ich mir, dann packe ich das auch!  Da hat bei mir früher vielleicht auch ein bisschen das Selbstvertrauen gefehlt.

Wie hast du daran gearbeitet? Hattest du auch eine spezielle mentale Vorbereitung?
Absolut. Das Thema Mentaltraining wird bei mir sehr groß geschrieben. Ich habe einfach zu viel Respekt vor den großen Nationen und bin dann, wie soll ich es am besten sagen,… zu lieb! Ich muss einfach aggressiver sein. Das ist wahrscheinlich eine Blockade von früher, weil ich in China unterdrückt wurde. Daran arbeiten wir sehr stark, und das versuche ich natürlich auszublenden. Das Ziel dabei ist auch nicht primär der Sieg, sondern dass ich mein Können und mein bestes Tischtennis abrufen kann. Das ist auch mein Ziel für die Olympischen Spiele. Ich will danach sagen können, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe.
Ich bin stolz auf mich und vor allem so stolz auf Österreich, dass ich als nichtgebürtige Österreicherin die Fahne tragen darf. Das ist in Zeiten wie diesen etwas ganz Besonderes.

FORTSETZUNG FOLGT – wir klären auf wieso Liu Jia liebevoll Susi genannt wird! 😉 

Credits Falk Wenzel

Eines der bodenständigsten Interviews das wir bisher halten durften! 🙂 Wir wünschen Susi alles gute für die heutige Eröffnung!

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