Florettfechter René Pranz qualifizierte sich erstmals für die Olympischen Spiele und erfüllte sich damit den sportlichen Lebenstraum. In Rio will der 31-Jährige eine Medaille. Im Gespräch mit DailySports spricht der Ausnahmekönner über seine Chancen, das Umgehen mit dem Scheitern und den umstrittenen Austragungsort Rio de Janeiro.

René, Glückwunsch zur Olympiateilnahme. Die Qualifikation war denkbar knapp. Wie sehr hilft dir das, mit breiter Brust in das Olympiaturnier zu gehen?
„Das Qualifikationsturnier war natürlich eine mentale Belastung und Herausforderung. Wenn man bei 14:14 im Finale weiß, dass es um einen Treffer geht und man schafft das, stärkt das unheimlich und man bekommt einen richtigen Selbstbewusstseinsschub, den versuche ich natürlich noch mitzunehmen. Ich probiere das aber trotzdem zu trennen, weil man nicht immer an Vergangenes denken darf. Ich versuche jetzt, den Fokus auf die Spiele zu legen, weil dort andere Bedingungen und Gegner sind.“

Beim Qualiturnier in Prag waren noch drei weitere Österreicher am Start, die allesamt ein Olympiaticket verpasst haben. Wie groß war danach der Druck, sich unbedingt qualifizieren zu müssen, um zu vermeiden, dass in Rio kein österreichischer Fechter am Start ist?
„Ich habe natürlich mit den anderen mitgefiebert und wäre gerne mit ihnen nach Rio gereist, aber der Druck hat sich für mich nicht geändert. Mit diesem Thema habe ich mich schon zuvor mit meinem Sportpsychologen beschäftigt. Man musste eben auch damit rechnen, dass man sich nicht qualifiziert. Wenn man sich schon vor dem Turnier damit beschäftigt, nimmt das etwas den Druck. Denn während des Turniers habe ich weder ans Gewinnen noch ans Ausscheiden gedacht und das hat mir sicher geholfen, ich war einfach extrem gut eingestellt.“

Ursprünglich wolltet ihr euch auch für den Florett-Teambewerb qualifizieren, was eine schwierige Aufgabe war. Wann kam der Zeitpunkt, als klar war, dass die Konzentration auf das Einzel gerichtet werden muss?
„Ja, das war leider schon relativ früh. Es gibt nur sehr wenige Plätze. Wir haben jetzt ein sehr junges Team und das braucht einfach noch Erfahrung. Teamfechten ist etwas anderes als Einzelfechten, man hat andere Rollenverteilungen. Das muss man mit der Zeit erst lernen.“

Hättest du im Falle eines Scheiterns auch Tokio 2020 noch in Angriff genommen, nachdem du schon einige Male zuvor versucht hast, dich zu qualifizieren?
„Unabhängig von dieser Qualifikation weiß ich nicht, ob ich bis 2020 weitermache. Mein sportlicher Lebenstraum war immer, mich für Olympia zu qualifizieren. Wenn man dann kurz vor Ende der Qualifikation ist und sich damit beschäftigt, dass es vielleicht nicht klappt, wie es dem Großteil der Sportler geht, kommt man zu dem Schluss, dass es auch weitergehen müsste. Das hat mir geholfen, entspannter und fokussierter in die Qualifikation zu gehen.“

Im Fechten gibt es mit Florett, Degen und Säbel drei Waffen. Warum hast du dich ausgerechnet für das Florett entschieden?
„Das ist in Österreich relativ einfach. Die Vereine sind hier meistens waffenbedingt. Es gibt in einem Verein also nur einen Florett-Trainer oder einen Degen-Trainer oder einen Säbel-Trainer. In großen Fechtnationen wie etwa Frankreich werden in vielen Vereinen alle drei Waffen angeboten, hier ist es zumeist das Florett. Ich hätte mich aber wohl sowieso für das Florett entschieden, da es meine Leidenschaft ist.“

Was ist die Charakteristik des Florettfechtens?
„Ich glaube, dass Florett am ausgeglichensten ist. Da werden mich die anderen Waffen vielleicht schimpfen (lacht). Der Säbel ist extrem offensiv, im Degen hast du wiederum oft den Vorteil, in der Defensive den Treffer zu setzen. Im Florett hast du im Angriff und in der Verteidigung die gleichen Chancen und das macht es interessanter. Du kannst Gefechte dadurch anders aufbauen, manche sind langsam, andere wiederum total schnell. Es gibt auch körperlich extreme Unterschiede, jeder kann seine anatomischen Gegebenheiten anders ausnutzen. Man kann sehr individuelle Stile entwickeln. Florett ist für mich die Königswaffe und dabei entschuldige ich mich gleich bei den anderen (lacht).“

Du hast die Goldmedaille als Ziel formuliert. Wenn man diese als Optimalziel bezeichnet, was ist dein Minimalziel?
„In diese Richtung denke ich eigentlich nicht. Ich glaube, dass jeder schlagbar ist. Wenn ich gegen die Nummer eins drankomme, ist der natürlich zweifelsohne Favorit gegen mich. Gerade bei Olympia hat ein höher eingeschätzter Gegner aber mehr Druck als ich und warum sollte ich die nicht schlagen können? Ich gehe Gefecht für Gefecht ins Turnier und gehe davon aus, jeden schlagen zu können.“

Es kommt also nicht sehr auf die Auslosung an?
„Nein, da es dort sowieso keine schwachen Gegner gibt. Wenn man gewinnen will, muss man sowieso jeden schlagen. So will ich das auch angehen und dort mein volles Potenzial ausschöpfen.“

Rio ist als Austragungsort nicht unumstritten. Wie stehst du dazu?
„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Olympia ist der Traum von jedem Sportler, aber leider spielen auch politische, religiöse und humanitäre Faktoren eine Rolle, die eigentlich nicht im Vordergrund stehen sollten. Ich war noch nie in Rio, aber ich habe natürlich mitbekommen, dass dort große Armut herrscht. Darüber denkt man nach, aber man will sich auch von der Gefahr nicht den Olympiatraum vermiesen lassen. Wenn ich in irgendeiner Art und Weise helfen kann, werde ich das dort auch machen.“

Ist das Vertrauen an die Sicherheitskräfte da?
„Ja, muss es sein, sonst darf man nicht hinfahren. Wenn jemand nach Paris fliegt, macht er sich auch keine Gedanken und was jetzt in Frankreich passiert ist, ist einfach irre. Daran möchte man gar nicht denken. Momentan kann das aber leider fast überall passieren, das ist schrecklich.“

Credits: ÖOC/Spiess

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